Fernwärme und Hitzeschutz gemeinsam denken – Potenziale eines Fernkältenetzes für Nürnberg prüfen
Die Stadt Nürnberg hat mit ihrer Kommunalen Wärmeplanung den strategischen Rahmen für die künftige Wär-meversorgung geschaffen. Ein zentraler Baustein ist der deutliche Ausbau der Fernwärme. Die N-ERGIE plant hierfür in den kommenden Jahren einen umfangreichen Ausbau des Leitungsnetzes. Damit stehen erhebliche Investitionen und zahlreiche Tiefbaumaßnahmen im Stadtgebiet bevor.
Parallel dazu gewinnt die Anpassung an die Folgen des Klimawandels erheblich an Bedeutung. Längere und intensivere Hitzeperioden belasten insbesondere dicht bebaute Bereiche. In den laufenden Gesprächen und Maßnahmen zum Hitzeschutz steht zu Recht auch der Schutz vulnerabler Gruppen im Mittelpunkt – darunter ältere und pflegebedürftige Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderung sowie chronisch kranke Personen. Neben Begrünung, Verschattung, Trinkwasserangeboten und weiteren Maßnahmen sollte deshalb auch die technische Infrastruktur als Bestandteil einer langfristigen Hitzeschutzstrategie betrachtet werden.
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten, Hochschulen, Verwaltungsgebäude, Sportstätten sowie größere Büro- und Gewerbestandorte werden künftig einen wachsenden Bedarf an verlässlicher und energieeffizienter Kühlung haben. Dezentrale Klimageräte können kurzfristig Abhilfe schaffen, führen jedoch zugleich zu zusätzlichem Strombedarf, technischer Infrastruktur an einzelnen Gebäuden sowie zu Ab-wärme und teilweise Lärmemissionen im Stadtraum.
Ein Blick nach München zeigt, dass Fernkälte bereits heute ein relevanter Bestandteil moderner städtischer Ener-gieinfrastruktur sein kann. Die Stadtwerke München betreiben und erweitern Fernkältenetze, über die größere Gebäude und Liegenschaften zentral mit Kälte versorgt werden. Durch zentrale, standortangepasste Kälteerzeu-gung können gegenüber einer Vielzahl einzelner Kälteanlagen Effizienzvorteile entstehen und Abwärme sowie technische Anlagen an den versorgten Gebäuden reduziert werden. Die Erfahrungen Münchens und weiterer Städte sollten deshalb systematisch auf ihre Übertragbarkeit auf Nürnberg untersucht werden.
Gerade der bevorstehende Ausbau der Nürnberger Fernwärme eröffnet hierfür ein strategisches Zeitfenster. Wo Straßen und öffentliche Flächen ohnehin für neue Leitungsinfrastruktur geöffnet und Trassen langfristig geplant werden, sollte frühzeitig untersucht werden, ob und an welchen Stellen eine spätere Fernkälteversorgung tech-nisch und wirtschaftlich vorbereitet oder mitgedacht werden kann.
Eine koordinierte Planung könnte Synergien bei Trassen, Tiefbau und Standortentscheidungen schaffen und vermeiden, dass wenige Jahre später erneut umfangreiche Eingriffe in denselben Straßenraum erforderlich werden.
Fernwärmeausbau, Klimaanpassung und Hitzeschutz sollten daher nicht isoliert betrachtet werden. Eine frühzeitige Potenzialanalyse schafft die Grundlage, um zu entscheiden, ob Fernkälte in geeigneten Bereichen Nürnbergs einen wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Beitrag zu einer resilienten Stadtentwicklung leisten kann.
Wir stellen daher zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden
Antrag: